Viehscheid für drei Zebus
Mo. 02.11.2015
 
Das Zebu-Pärchen Ludmilla und Eugen mit Nachwuchs Lisa, Eugens nicht leiblicher Zebu-Tochter. Bald bekommen sie weitere Gesellschaft. Tierische.


Die Zebus mit Namen Eugen, Ludmilla und Lisa sind am Sonntag Mittelpunkt des zweiten Berghüler Viehscheids gewesen. Vier weitere Zebus haben die Berghüler Zebuhirten vergangene Woche dazu gekauft.

Das Posieren für ein Foto müssen die drei Zebus Eugen, Ludmilla und Lisa noch üben. Die Rinder steckten ihren Kopf am Sonntag lieber ins Heu als der Kamera entgegen. Da mühten sich die jungen Berghüler Zebuhirten redlich, ihre Tiere von der besten Seite zu zeigen. Zebus scheinen ein stoisches Gemüt zu haben. Sie kümmerten sich nicht ums Fotoshooting und darum, wer an ihrem Strick zieht. Auch das lebhafte Treiben der vielen Neugierigen, die sich am Rathaus zum Umtrunk einfanden, brachten die Tiere nicht aus der Ruhe.

Die drei Zebus sind durch Zufall in Berghülen gelandet, "weil sie aus ihrer Herde ausgebüxt sind", erzählt Helmut Braungart, in dessen Stall die Zebus untergekommen sind. Eugen und Ludmilla, die beiden Ausreißer, irrten vor gut einem Jahr vier Tage lang rund um Machtolsheim herum und gelangten im Verkehrsfunk als Gefahrenmeldung zu Berühmtheit.

Man habe damals einen Krisenstab im Berghüler Rathaus eingerichtet, erzählt der sogenannte Rosenbauer Helmut Braungart stolz. Sein Enkelkind Steffen Schöll sagt: "Weil die nämlich in der Prärie 'rumgesprungen sind." Ein Schäfer sichtete die Ausreißer und pferchte sie ein. Laut Braungardt seien Spezialisten mit dem Lasso gekommen und hätten die Tiere eingefangen und in den Viehtransporter bugsiert.

Eigentlich wäre ihr Schicksal von diesem Moment an tragisch bestimmt gewesen. Die beiden Zebus sollten eigentlich zum Schlachthof gebracht werden. Aber Helmut Braungart wuchs das Pärchen ans Herz.

Zudem stellte sich heraus, dass Ludmilla trächtig war. Eugen kam als Vater auf Grund seines Alters nicht in Frage - aber so pingelig wollte der Rosenbauer da nicht sein. Im März diesen Jahres kam jedenfalls das Kälbchen auf die Welt und war sofort ein Sympathieträger.

Braungardt handelte wohl intuitiv richtig. Denn Zebus, die auch Buckelrinder genannt werden, kommen eigentlich aus Indien - und dort sind schließlich Kühe heilig. Sie stammen übrigens von einer Unterart des Auerochsen ab.

Junge Berghüler Männer taten sich jedenfalls, als die Familie komplett war, als Zebuhirten zusammen und trieben die Rinder zur Landschaftspflege auf kleine Grundstücke. Die Hirten schwärmen von den guten Eigenschaften der Tiere: "Die fressen sogar Brennnesseln und alles, was Schafe nicht fressen".

Bürgermeister Bernd Mangold begrüßt die Initiative. Daniel Deschenhalm, Matthias Eisele, Steffen Schöll, Stefan Ruopp, Johannes Bosch und Felix Enderle haben sich nun in den Kopf gesetzt, als Zebuhirten eine Genossenschaft zu gründen. "Und der Helmut macht den Vorsitz", verkündeten sie. Der Lebensretter Helmut Braungart.

Zum dritten Berghüler Viehscheid im nächsten Jahr dürften auf jeden Fall mehr Zebus vor den Zuschauern aufgetrieben werden. Denn Ludmilla ist mal wieder trächtig und die Zukäufe sind allesamt weiblich. Auf Zebu-Mann Eugen wartet Arbeit.

Autor: CHRISTINA KIRSCH
Quelle: SÜDWEST PRESSE




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